Hörbrille für Varibel

MMID feiert dieses Jahr das 25-Jährige Jubiläum. Aus diesem Anlass fragen wir jeden Monat, einen unserer Kollegen, Ihnen ein Projekt vorzustellen, dass die letzten 25 Jahre geprägt hat. Caspar Steenhuijsen, Teilhaber bei MMID, erzählt über die Entwicklung der Hörbrille für Varibel.

Hörgeschädigte mit einem Hörgerät können andere Leute innerhalb einer lauten Umgebung oft nur schlecht verstehen. In enger Zusammenarbeit, zwischen Varibel, Philips Leuven und weiteren Zulieferern, entwickelte MMID eine Hörbrille die Geräusche innerhalb der Blickrichtung verstärkt was dem natürlichen Hörerlebnis ähnelt.

Auf den Millimeter genau

Caspar: „Als ich im Sommer 2004 bei MMID angefangen habe, hatten wir gerade den Auftrag für eine Ladestation der Hörbrille von Varibel bekommen. Letztendlich haben wir zusätzlich zur Ladestation auch das Kontaktelement zwischen der Brille und dem Ohr entwickelt. Vor allem die Entwicklung dieses Bauteil war interessant und musste auf den Millimeter genau entworfen werden. Hierbei haben wir intensiv mit den Elektronikern von Philips zusammengearbeitet. Gemeinsam entwickelten wir einen „Ear connector“ mit einem magnetisch/elektronischen Kontakt. Derselbe Anschluss wird heutzutage auch in Mac Books verbaut. Eigentlich waren wir Apple damals schon weit voraus.“

Caspar Steenhuijsen: „80% Produktenwicklung besteht aus Organisation“

Ehrgeiziges Projekt

„Ich war damals Senior Functionality Entwickler und arbeitete innerhalb des Projektes sowohl an der Entwicklung als auch der Projektorganisation. Meine größte Herausforderung war das übersetzen der ehrgeizigen Ziele in ein realistisches und umsetzbares Produkt. Es war nicht immer leicht um die Anforderungen mit jedem abzustimmen. Die Organisation war letztendlich mehr Arbeit als die Entwicklung. Nach meiner Erfahrung gilt das für die meisten Projekte: 80% der Entwicklung besteht aus der Organisation. Es kommt darauf an die richtigen Informationen zu haben um damit die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Das erfordert viel Organisation.“

Caspar Steenhuijsen: „Einen guten Entwurf kann man alleine machen. Produktentwicklung ist jedoch Teamarbeit.“

Nutzertests

Die Zielgruppe bestand aus älteren Brillenträger mit einer Gehörschwäche. Diese Zielgruppe braucht zusätzlich zur Brille auch ein Gehörgerät. Die Hörbrille bietet dabei die Bequemlichkeit einer Brille ohne die zusätzlichen Unannehmlichkeiten eines Hörgeräts. Die Nutzung im Alltag ist einfach, nachdem man das Ohr-Teil eingesetzt hat, schnappt dieses automatisch an den Rahmen beim Aufsetzen der Brille. Ab dann werden die Umgebungsgeräusche verstärkt. Beim Absätzen der Brille wird die Verbindung automatisch getrennt. Die Brille kann über Nacht geladen werden und ist somit Tagsüber wieder einsatzbereit. Mittels ausgiebigen Nutzertests hat MMID das Konzept für die Ladestation entwickelt. Caspar: “Der Nutzer ist sehr angewiesen auf das Produkt. Ohne die Hörbrille kann er weder sehen noch hören. Es ist also wichtig, dass sobald die Brille abgenommen wird, diese leicht an die Ladestation angeschlossen werden kann. Das machte die Aufgabe sehr komplex. Es ist der Zusammenarbeit zu verdanken, dass wir hier gute Lösungen gefunden haben. Gute Produktentwicklung ist Teamarbeit. Ich bin stolz auf das System, dass wir damals entwickelt haben. Wenn man sich heute die Nachfolgeprodukte ansieht gibt mir das ein gutes Gefühl. Das Produkt ist erfolgreich und wir konnten unseren Teil hierzu beitragen.