Das Bierfass für Heineken: Mehr als nur schöne Skizzen

MMID feiert dieses Jahr das 25-jährige Jubiläum. Aus diesem Anlass fragen wir jeden Monat einen unserer Kollegen, Ihnen ein Projekt vorzustellen, dass die letzten 25 Jahre geprägt hat. Klaas Jan Veltman, bei MMID mit dabei seit der ersten Stunde, erzählt über die pragmatische Herangehensweise bei der Entwicklung des Bierfasses für Heineken.

Im Jahre 1999 bekam MMID einen Anruf von Heineken. Sie suchten einen Partner der für Sie ein Kunststoff Bierfass entwickelt. MMID gewann beim Pitch und konnte sich gegenüber mehreren etablierten Agenturen durchsetzen. Das war der Startschuss für die Entwicklung des Kunststofffass für den Heineken Beertender. Damals ein revolutionäres Konzept für eine Heimzapfanlage. Bier verpackt in Kunststoff gab es so noch nicht. Das Heineken Projekt war eine große Aufgabe für unser kleines Büro.

Mehr als nur eine gute Skizze

Klaas Jan: „Ich hatte zu diesem Zeitpunkt gerade angefangen bei MMID. Das kleine Entwicklungsbüro aus Delft war noch nicht ausgelegt für solch ein großes Projekt. Wir mussten also in kurzer Zeit, schnell wachsen. Das war eine interessante Herausforderung für mich. Ich habe Architektur studiert und hatte so gut wie keine Erfahrung bei der Entwicklung von Produkten. Es musste sehr viel organisiert werden. Vieles ging noch nicht mal um die Entwicklung. Auf einmal ging es nicht nur noch um schöne Skizzen und gute CAD Modelle. Beim Heineken Projekt habe ich gelernt, dass Produktentwicklung noch viel mehr beinhaltet. Man braucht z.B. ein deutliches Pflichtenheft, es gibt verschiedene Interessensvertreter, ein Netzwerk an spezialisierten Zulieferern, Tests, Produktpreis, Prototypen, bis hin zu Logistikfragen: „Wie werden die Fässer transportiert und wieviel können wir im Lager stapeln?“. Das Projekt wurde immer größer und enorm umfangreich. Meine Aufgabe bestand darin, alles was nicht durch die Entwickler gemacht wurde zu organisieren. So musste ich einmal mit einer großen Runde von Managern bei Heineken über Kisten und Transportlösungen nachdenken. Ohne mein Wissen, waren aus der ganzen Welt, Leute für dieses Meeting eingeflogen. Bei der Entwicklung des Bierfasses wurde mir bewusst, dass die Organisation genauso wichtig wie die Entwicklung ist. Um ein Projekt erfolgreich abschließen zu können braucht es nämlich mehr als nur gute Entwürfe. So wurde ich auf einmal Projektmanager.”

Einfach machen

„Unsere Herangehensweise war sehr pragmatisch. Nicht zu lange nachdenken, einfach machen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mit 25 Prototypen im Kofferraum zu der Brauerei nach Den Bosch fuhr. Mit viel Mühe hatte ich es geschafft innerhalb 2 Wochen diese Modelle zu organisieren. Ich habe dann, gemeinsam mit Albert Brans von Heineken, die Fässchen in der Fabrik aufs Transportband gestellt. Einfach um zu sehen wie sie sich verhalten und wo es zu möglichen Problemen kommen könnte. Die Fässer durften z.B. nicht durch gegenseitige Reibung anfangen sich vom Band zu lösen. Als die Fässer doch vom Band rollten und ich aufsprang um die kostbaren Prototypen zu retten, schrie Alber: „nicht machen, einfach weiterfilmen“. In 25 Jahren hat sich viel geändert, aber MMID hat noch immer dieselbe pragmatische Arbeitsweise. Einfach machen!“